Sachen, die noch nicht geschrieben wurden

Es ist soweit gekommen, dass ich Leipzig, wenigstens für einige Zeit, verlasse. Daher bin ich nochmal meine camera roll der letzen knapp drei Jahre durchgegangen und hab sinnlose und gleichzeitig schöne Fotografien herausgesucht. Und natürlich alle Sachen aufgeschrieben bei denen ich zu faul war einen eigenen Beitrag zu basteln.

Leider passen die geschilderten Ereignisse und Fotos nicht immer zusammen, aber inhaltliche Stringenz war noch nie meine Stärke. Fangen wir mit einem Klassiker an:

Schnapsgläser klauen

Dazu hätte man eigentlich einen ganzen Guide schreiben können. Die Kunst des Stehlen kleiner Nebensachen wurde mir in Leipzig schon früh von CaptainLovebird und Frau Anger eingetrichtert, insofern bin ich da Opfer meiner Späterziehung. Die eigentlichen Handgriffe sind nicht schwer zu erlernen, besonders weil der Zugriff oft betrunken erfolgt. Allerdings gibt es einige Benimmregeln moralischer Art zu beachten. So sollte man zum Beispiel nicht dort klauen, wo man gerne oft trinken geht. Das ‚Man scheisst nicht dort, wo man isst‘-Prinzip. Unglücklicherweise hatte ich selbst einen dieser Ausfälle, für den ich mich auch heute noch zutiefst Schäme. Die Gläser hab ich allerdings immer noch.

Stattdessen sollte man sich einen Ort aussuchen, den man so schnell nicht wieder für ein Bier ansteuern will. Am besten ist es dort auch ein bisschen teurer und man kann die neuen Shotgläser als Kostenausgleich betrachten. Zwangsläufig führt die Beschreibung in die Innenstadt. Hier muss man wirklich keine Skrupel haben einfach zuzugreifen. Allerdings sollte man die zweite wichtige Regel beachten: Nicht zu gierig sein. Auch hier bin ich teilweise zu naiv an die Sache herangegangen und hab ein bis mehrere Gläser auf dem Augustusplatz zerdeppert, nachdem ich mich aufs Fahrrad geschwungen hatte. Also immer Maß halten!

Wenn man sich mal verstecken muss, bieten sich Bauteile auf der Straße an.
Leipziger Buchschätze

Hierüber wollte ich schon ewig mal was aufschreiben. Irgendwie ging dann alles in fehlender Zeit oder als Inhalt von Hausarbeiten unter. Fakt ist: In Leipzig kann man was mit Büchern machen. Und das führt einen teilweise an bizarre Plätze. Bestandteil eines Seminars war es, sich in mehreren Sitzungen im Untergeschoss des Grassi-Museums einzufinden und dort Buchumschläge zu sortieren. Was viele nicht wissen: Leipzig lag früher in der DDR! Dort wurden, wie in anderen Diktaturen auch, schöne Buchumschläge prämiert. Logischerweise haben viele Verlage dann diese Umschläge verschickt, um ordentlich prämiert zu werden. Aus dieser Zeit hat sich kistenweise Material angesammelt. Von ein paar besonders ästhetischen Ausgaben hab ich Fotos gemacht.

Die Gesichtsausdrücke zeugen von einer glücklichen Ehe.
Erinnert irgendwie an die  Autobahnbrücke aus ‚Blues Brothers‘.
Musste mit rein. Braucht keine weitere Erklärung.
Architektur nutzen

Zugegebenermaßen würde jetzt ein Beitrag über Grafitti und die sinnvolle Verschönerung des urbanen Raumes reinpassen, aber damit kann ich leider nicht dienen. Seltsamerweise kommt es eher dazu, dass verschiedene Objekte angetatscht und als Kletterobjekt benutzt werden. Besonders ärgerlich sind dabei aufwendige Aktionen, die nicht einmal in der virtuellen Welt belohnt werden.

Immerhin ist die Leiter auch für den Aufstieg gedacht.

Geocaches, die hohe Geländewertungen haben, sind da so Beispiel. Ganz oft kommen die von irgendwelchen Premium-Pissern. Damit werden die Stationen nur für zahlende Mitglieder sichtbar, was einfachen Bürgern das Auffinden erschwert. Zum Glück hab ich Kontakte in der Szene und finde die passenden Gebäude trotzdem. Als Gegenleistung fürs Hinführen biete dann auch meine Kletterdienste für Schornsteine an. Alles sorgfältig vom Dreiecksauge beobachtet. Einen virtuellen Log bekomme ich dafür trotzdem nicht.

Es gibt dann aber auch noch Objekte, die nicht so wirklich zum beklettern gedacht sind. Wie sich herausgestellt hat, kann das aber auch ganz gut funktionieren. Ein schillerndes Beispiel bietet die ewig lange Rolltreppe im Bayerischen Bahnhof.

Die Stellung wird in den Handbüchern als ‚klassicher Bauchaufleger‘ beschrieben.

Allerdings blieb das Nutzen des Bahnhofs in der Nacht für aberwitzige Kameraaufnahmen nicht nur unsere Idee. Obwohl wir natürlich ein gutes Jahr vor dem Mainstream drauf gekommen waren. Aber nachdem ‚LGoony‘ einen schwitzigen Auftritt im IfZ hingelegt hatte, kam ihm wahrscheinlich die Idee in Leipzig rumzulaufen und nach guten Videolocations ausschau zu halten. War ja klar, dass die Rolltreppen unumgänglich waren.

Im Gewandhaus pogen

Apropos Turn-Up. Das hat erstaunlicherweise auch im ehrwürdigen Gewandhaus funktioniert. Anlass war die AudioInvasion, deren Idee ist, dass auch mal andere Klänge durch die Gänge ballern. Zum Glück standen auf der Liste der neuartigen Acts unter anderem ‚Mule & Man‘ und ‚Juicy Gay‘. Und als Juicy auf die circa 30cm hohe Bühne gesteppt ist, gab es kein Halten mehr…auf jeden Fall für 5-6 Hardcore-Fans. Der Rest stand eher bedröppelt daneben, während ein Hit nach dem anderen folgte, zum Beispiel (damals noch unreleased) ‚Skibrille‘. Auf einem Teppichboden zu pogen war ein ziemlich wohliges Gefühl, ich kann das jedem empfehlen. Genauso haben Mule & Man haben eine fulminante Show geboten. Das lag auch an den Möglichkeiten im Gewandhaus mit der Beleuchtung rumzuspielen.

Anti-Legida-Demos

Dieses Kapitel hat sich zum Glück schon erledigt. Trotzdem hat es ungefähr 2 Jahre gedauert bis die Idioten eingesehen haben, dass Leipzig nicht das richtige Pflaster für ihre Parolen ist. Die Gegendemos haben zwischen marschierenden Zehntausenden, abfrierenden Gliedmaßen und Bier bei originalen Legida (Leipziger Ethanolfreunde gegen die Illegalisierung des Alkohols) geschwankt. Ob sich die Lage wirklich stark gebessert hat, sagt dann spätestens das Wahlergebnis der AfD bei der Bundestagswahl.

Ich weiß nicht wer das Bild geschossen hat, aber es ist gut.
Orte, an die man geht

Logischerweise entwickeln sich im Lauf der Zeit Bezugspunkte zu denen man immer wieder zurückkehrt. Eine echte Hassliebe ist dabei das Kaufland geworden. Immerhin kann man hier billige Lebensmittel und alkoholische Getränke erwerben, außerdem zeigt sich einem ein echter Querschnitt der Reudnitzer Bevölkerung, sozialwissenschaftliches Studiengold. Allerdings muss man ab und zu auch den Pfandautomaten besuchen, dessen Atem nach 3 Tagen Saufen ohne Zähneputzen riecht und stetig aus seiner Öffnung drängt.

Die Automatenfütterung wird idR herausgezögert.

Man kann allerdings auch Durchweg positive Orte für den Erwerb von Lebensmitteln finden. Nicht überraschend steht da an erster Stelle der Dönerladen. Neben dem angenehmen Duft nach vor Fett triefendem Fleisch, hab ich im Winter herausgefunden, dass man dort ganz entspannt seine Haare trocknen lassen kann. Diese Erkenntnis war wirklich wertvoll, weil das Duschen an Sonntagen doch meistens nur dann ausgeführt wird, wenn man raus zum Dönerholen muss. Nützliches mit Nützlichem verbinden.

Zuletzt bleibt noch festzustellen, dass es sich lohnt, wenn man einen Wohnsitz hat, der einem erlaubt vom Club nach Hause zu laufen. Also theoretisch kann man das natürlich immer, aber ab einem gewissen Zeitaufwand macht es einfach keinen Sinn mehr. Wenn man allerdings entspannt nach Hause latschen kann und dabei an der frischen Luft noch ausnüchtert, ist es umso besser. Genau an der Grenze der Sinnhaftigkeit liegen für mich das IfZ und die Distillery. Obwohl man da nicht jedes Wochenende verbringen muss, haben beide echte Highlights gesetzt, wie zB LGoony. An der Spitze steht aber ohne Zweifel die ‚Ich komm aus dem Club nicht raus‘-Tour von Bargeld, Haiyti und Trettmann in der Tille.

Auf dem Heimweg kann man schon mal an einem Baugerüst hängenbleiben.

Insgesamt eine komische Auflistung an Dingen, aber immerhin nicht stringent, wie angekündigt. Bleibt nach diesen Eindrücken nur noch ein Stück Musik zu empfehlen. Mit einer leicht melancholischen Note, wie es sich für Abschiede gehört.

Musiktipp: Mini Mansions – Vertigo

Autor: ¡MasterJoda!

Irgendwas mit Medien, farbiges Vinyl, verschwitzte Konzerte, tote Plätze, Tupperdosen in der Natur, Bassgitarre & Werder Bremen

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