Songs for the Deaf

Geteiltes Leid ist halbes Leid. Getreu diesem Motto wird die neue Kategorie gestaltet, die sich perfekt in das Gesamtkonzept des Blogs eingliedert: Den Menschen im Internet Zeit stehlen, die sie darauf verwenden sich Bullshit anzuschauen.

In diesem Fall werden Songs vorgestellt, die sich taub eindeutig besser ertragen lassen, „songs for the death“ eben. Heute bestimmt der Sprechgesang die Auswahl. Ja ich hätte auch gern geschrieben, dass ich schlechte Rapsongs thematisiere, allerdings kann ich wenigstens die Hälfte der Lieder aus Respekt vor der Kultur nicht so betiteln…entscheidet selber welche.

Alle Songs wurden mir mehr oder weniger freiwillig vorgesetzt und haben absolut nichts miteinander zu tun. Ich will diese Produktionen auch nicht miteinander vergleichen, denn dafür sind sie dann qaulitativ doch zu unterschiedlich (Reichweite von 1-10 auf einer 100er-Skala). Die Wackness haben sie jedoch alle gemeinsam.

Nadine – Internet (Ist so Geil)

nicht von mir bearbeitet (schwöre)
nicht von mir bearbeitet (schwöre) (Screenshot: DJ Ostkurve)

Das erste Exemplar hat mir der Rapper Juse Ju geliefert, der regelmäßig „Perlen der Wackness“ auf seiner Facebookseite postet. Diese hier war definitiv ein echtes Glanzstück der Serie, daher hat sie hier Einzug gefunden. Das Video überzeugt sowohl graphisch, als auch sprechgesangstechnisch durchaus nicht. Um sich einen groben Eindruck zu verschaffen hab ich mal die aufschlussreichsten Textstellen niedergeschrieben. Wer sich danach noch traut das Video komplett anzusehen ist geisteskrank oder pervers.

„Facebook, Twitter und all das/ macht nicht nur den Gangstern Spaß.
E-Mail, Whatsapp, ICQ/ hier trifft sich die ganze Crew.
Popmusik, Popmusik das macht Spaß/ bis du einen Kopfschuss hast.
Sexy Girls, Bitches und Huren/ Daddy hörst du nicht die Pussy schnurren?“

Fazit: 1 von 100 Punkten

 

Almighurt Semesterbeginn

#bestfriends4eva
#bestfriends4eva (Screenshot: Ehrmann)

Tja ich weiß nicht wo ich anfangen soll…Vielleicht mit dem Fakt, dass jetzt anscheinend jede x-beliebige Alltagsmarke, von der man als (junger) Kunde absolut nicht möchte, dass sie sich „street“ gibt, jetzt versucht sich „street“ zu geben. Die Sparkasse ist dabei ein unrühmlicher Vorreiter, indem sie dieses Bild produzierte und gleichzeitig eine Internetkultur, die sich um 1 harte Gönnung dreht, entwertete.

schämt euch!
schämt euch!

Währenddessen versuchen sich die Facebook-Accounts von Supermarktketten in Kommentarspalten gegenseitig zu battlen und dann gibt es eben noch Almighurt. Im Endeffekt ist dieses Stück „Rap“ stellvertretend für all das, was die Großunternehmen in der Werbung für die junge Zielgruppe falsch machen. Ein Auszug:

„Trotzdem hangle ich mich so von Semester zu Semester/ hab nen Homie an der Seite, der mich einfach nie verlässt, ja.
Und dieser Typ hier, ja man, der ist wirklich knorke/ Ehrmann ist sein Name, Himbeer meine Sorte.
Er hilft mir weiter, wenn ich wieder mal nicht lernen kann/ Almighurt von Ehrman.“

Peinlicher wäre es wahrscheinlich nur gekommen, wenn noch der Hashtag „#homieghurt“ eingeführt worden wäre.

Fazit: 2 von 100 Punkten

 

PottenzYal – Veränderung

immer locker bleiben
immer locker bleiben

Das die ausgesuchten Stücke nichts miteinander zu tun haben, zeigt sich spätestens hier. Denn die vorigen SFTD hatten immerhin Reichweite. Dies kann man dem Magdeburger Rapper PottenzYal allerdings auch nicht zum Vorwurf machen, immerhin handelt es sich um seinen ersten Track, den man durchaus als Rap bezeichnen kann. Präsentiert wurde mir das ganze durch persönliche Kontakte, die mein Spitzel Dante zur Newcomer-Rapszene Ostdeutschlands unterhält. Klingt alles noch vielversprechend, allerdings nur bis man den Song zum ersten mal hört.

Der Text ist zum Glück nicht ganz so absurd wie bei den Vorläufern, trotzdem hört sich das Ganze einfach nach langweiliger Phrasendrescherei an.  Da gibt es zum Beispiel:

„Erst ein Tag, dann eine Woche, wird zum Monat, nun ein Jahr.“

Für solche Passagen, und diese hier taucht öfters auf, kann ich mir auch Rolfs Zuckowskis „Jahresuhr“ anhören…„Januar, Februar, März, April, die Jahresuhr steht niemals still.“ Hier zur kurzweiligen Erheiterung das Video:

Zurück zu PottenzYal….Der Beat ist Scheiße. Ich bin nicht wirklich gewillt die Gründe hierfür ausführlich darzustellen, deshalb ein paar Schlagwörter: lame, billig, keine Abwechslung.
Interessant ist der Text auch im Hinblick auf Alkohol. Es ist nicht so, dass ich die Thematisierung von Alkohol nicht begrüßen würde, tatsächlich werden sich hier im Blog auch irgendwann Gründe fürs Trinken finden, trotzdem nervt PottenzYals Alkattitüde, denn er nuschelt dann immer. Beispiele:
„Aber das Leben geht nun weiter und deshalb sauf ich mich heiter“ [sec. 40]
Hier bin ich mir nicht sicher, aber ich glaube ab min. 1:13 gibt es auch was mit saufen, es könnte vllt. „doch auch saufen hilft nichts, dass man sie endlich vergisst.“ sein. Ich hab die Stelle jetzt 5 Mal angehört und bin immer noch nicht sicher.
„Der Frust ist da und so, deshalb sauf ich mich K.O.“ [min. 1:24]
Ernsthaft?! Bis min. 1:48 besteht der Song eigentlich nur aus den beiden Motiven Alkohol und Rolf Zuckowski. Danach kommt allerdings die beste Stelle. Einfach ab min. 1:48 bis min. 2:00 anhören und dann folgende Frage lösen: Wie viel Silben wurden in diesem Zeitraum verschluckt? Antworten kann man in die Kommertarspalte hauen, die erste richtige Antwort gewinnt ein Meet&Greet mit Rolf Zuckowski. Als Nachhilfelehrer würd ich einfach mal DCVDNS vorschlagen, der hätte die ganzen Wörter definitiv deutlich aussprechen können.
Aber hey, wer will groß meckern, immerhin ist noch Luft nach oben vorhanden, es ist schließlich das Erstlingswerk.

Daher das Fazit: 5 von 100 Punkten

KOLLEGAH – Nero

N steht für "Nicht zu ficken"
N steht für „Nicht zu ficken“ 8======D (Screenshot: Bosshaft TV)

Auf zum letzten Kandidaten. Logischerweise ist ein Kollegah-Track aufwendig produziert, es gibt ein hochauflösendes Video etc. Allerdings wurde mir Kollegahs Faceboookseite dermaßen penetrant im Newsfeed vorgeschlagen, dass ich nicht umhin konnte mir das Ganze doch mal genauer anzuschauen.

Ich hab überhaupt nichts dagegen, dass Rapper über die gewöhnlichen Dinge rappen, wie zum Beispiel, dass sie geil sind, Frauen ficken und dicke Autos fahren, das ist Standardinhalt. Die Kunst ist eigentlich nur, diesen Inhalt dann möglichst kreativ, gewitzt und tight rüberzubringen. Und das hat Kollegah verkackt.

R.I.P. US-Rap
Mannn der hat so viel Text in seinem Text *_*

Das Video ist schon Zumutung genug. Ich nehme an der Autor des Drehbuchs hat mal einen Trailer von „Mad Max“ gesehen und dachte sich, er versucht mal sowas ähnliches. Also ein bisschen Wüste, Autos, Kampf, Muskeln, Frauen. Das alles noch in schwarz-weiß und mit diesem tiefen Klavierton sieht das dann schon episch aus….irgendwie.
Das geht nicht ganz auf, passt aber zum Text. Auszug:

Überleg grad, den BMW zu nehm‘ oder den AMG GT Coupé
Von 808s auf Demotapes zu Platinchains, CDs und Fame
Die Presse will mich mit Monsterbräuten in Bondfahrzeugen knipsen.

Die Hook geht dann so:

Multimillionär, doch meine Jungs ticken weiter Hero
Bitch, ich dominiere, triumphiere, so wie Kaiser Nero!
Ich bin Nero! Nero!
Nero! Nero!
N steht für „Nicht zu ficken“, E steht für „Ehrgeiz“
R steht für „Rache“, O für „Ohne Gnade“
Ich bin Nero, Kaiser Nero! Nero!
Nero! Nero!

Viel lamer kann man die Standards nicht rüberbringen. Zwei teure Autos aufzählen, ein bisschen Street (808, Jungs ticken Hero), ein bisschen Fame (Multimillionär, Presse, Bitches). Obwohl er ziemlich oft betont, dass er Kaiser Nero ist, darf er in der zweiten Strophe auch noch Julius Cäsar sein. Das passt dann aber auch irgendwie, denn bekanntlich wurde Gaius Julius quasi „gestürzt“, nachdem er sich die lebenslängliche Diktatur übertragen ließ. Und ungefähr dasselbe passiert gerade mit Kollegah im Deutschrap, nur ohne Tod. Oder um es mit Kurt Prödels Worten zu sagen:

Fazit: 10 von 100 Punkten

Und damit sich das vollständige Lesen des Beitrags doch noch gelohnt hat, gibts einen sehr dopen Musiktipp: T9 – Tiff

Autor: ¡MasterJoda!

Irgendwas mit Medien, farbiges Vinyl, verschwitzte Konzerte, tote Plätze, Tupperdosen in der Natur, Bassgitarre & Werder Bremen

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