Wann sind wir da? Ich muss pullern!

Deprimierendes aus Sachsen. Es gibt hier, ziemlich offensichtlich, einige Probleme, die es zu besprechen gilt. Da ich aber Rassismus und generelle Fremdenfeindlichkeit schon aus Sachsen-Anhalt kenne und wir hier nicht auf einem Polit-Blog sind, werde ich einfach eine weirde Nacht in Dresden beschreiben.

Allein die Tatsache, dass ein Aufenthalt von weniger als 24h in einer Stadt mich mal wieder zum tippen vor den Laptop gezwungen hat, sagt aus wie einschneidend die Erlebnisse gewesen sein müssen. Alles fing damit an, dass ich in einen Fernbus stieg. Leider waren da auch andere Menschen, die wohin wollten. Das machte die Sache schon mal nicht angenehm. Hatte ich aber auch so etwa erwartet. Dann Ankunft Dresden and what is the worst that could happen? Ja genau, jemand spielt auf einem öffentlichen Platz die 257ers mit ihrem Holzsong auf ner tragbaren Minibox ab. Glücklicherweise war ich zu diesem Zeitpunkt noch nüchtern und es kam zu keinerlei Pöbeleien und folgerichtigen Platzverweisen.

Dann folgte der gute Teil des Abends, den ich hier nur kurz anreißen möchte. Zum Späti rutschen, rauchen, öffnen lassen, kaufen. Wohnung entern, Laptop öffnen, Boxen hochfahren. Migos starten, abgehen, nochmal rauchen. Bus catchen, Asia Box schnappen, halben Liter scharfe Soße reinkippen. Bahn bevölkern, Location finden, labern, pogen, trinken. Aber irgendwann war der Gig von De Staat [ zwei wichtige Beispielvideos] zu Ende und die Misere fing an.

Kein Bier mehr in der Wohnung stellte kein Problem dar, der Heimweg war sehr lang. Zwischendurch fanden sich genügend Dönerläden, die noch Bierreserven vorzuweisen hatten und der Erwerb der Reserven kostete und nur wenige Euros und die Anschlussbahn. Mit Alkohol, aber ohne Aussicht auf Unterhaltung durch Dresden zu torkeln ist kein wünschenswerter Zustand. Und da hilft noch nicht mal Haiyti auf Handylautsprecher, in der Bushaltestelle abgespielt.

Aber irgendwann kommst du zur Wohnung und du weißt, du gehst jetzt noch nicht ins Bett. Leider bist du nicht oft ins Dresden und kennst dich in der Clubszene nicht aus. Du warst auch auf einem Konzert und bist körperlich nicht fit. Du machst daher genau das, was dir der einzige anwesende Dresdner sagt.

Leider macht dieser Mensch aus Dresden Maschinenbau und kennt noch weitere Menschen, die dasselbe studieren. Aber Connections sind immer wichtig und haben auch mir an diesem Abend zwei ganze Euro Eintritt gespart. Ganze zwei Euro! Und dieser Faktor hat mich dazu bewogen, eine Hölle des Clublebens zu betreten, wie ich sie mir eigentlich nur in der Provinz in Sachsen-Anhalt hätte vorstellen können.

Ich sollte wohl mit dem Anfang anfangen. Der sah so aus.

Wohlfühlatmosphäre

Selbstverständlich hab ich nur den Sektflaschenteil zum Bild beigetragen. Das rührendste Erlebnis war, dass sogar noch ein Girl rüberkam, um mich darauf hinzuweisen, dass dort jemand hingekotzt hätte und ich doch vorsichtig sein solle. „Ok, ich versuch nicht mit Zunge reinzufallen.“

Die Menge der Menschen war unbeschreibbar. Unbeschreibbar einfach zu umreißen. Männer, die einmal die Woche ins McFit gehen und sich dann Shirts kaufen, die an den Armen zu kurz sind. Frauen, die einmal die Woche ins McFit gehen, und sich dann in eine Leggins reinquetschen. Und dann natürlich noch 40-jährige DJs, die immehin nicht ins McFit zu gehen schienen. Dann noch Menschen hinter den Bartresen, die konsequent sexuell belästigt wurden. Obwohl das eigentlich nur die weiblichen Angestellten betraf, wen tut das wundern? Auf Nachfrage an einen der besoffensten Männer an der Bar, was er denn damit bezwecke, kam die Antwort, dass die Barfrau auf jeden Fall in ihn verliebt sei. Logisch.

Die Musik, zu der diese Leute abgegangen sind, zu beschreiben fällt schwer. Fakt ist, dass ich den Holzsong nicht nur einmal an diesem Tag hörten musste. Dafür aber Liquido mit Narcotic nur einmal, immerhin. Das muss als repräsentativer Durchschnitt ausreichen.

Irgendwann kamen der Dresdner und ich auf die glorreiche Idee doch mal den VIP-bereich [ ja es gab einen abgesperrten VIP-Bereich] zu stürmen. Gute Idee. Folglich wurde sich todesmutig über die Absperrung geschwungen und dann elegant auf den Ledermöbeln ausgebreitet. Mr.Pain hat derweil den ungeschützten Seiteneingang genommen, das war ein cleverer Move. Die Szenerie sah allerding strotzdem noch scheiße aus

vipsicht
links im Bild die berühmten Diskofinger

Danach wurde es nicht besser. Es folgt wieder der Kurzablauf. Raucherbereich eintreten, Lungenkrebs receiven, sterben. Mate Peng reinkloppen, Lage checken, Girl klar machen (ich schwör war Verzweiflungstat, um Situation aufzubessern). Von Dresdner Boy abgehalten werden, Dresden Boy verprügeln, in Schlaf weinen, angetrunken aufwachen.

So traurig die Geschichte auch aussieht, ich konnte wenigstens am nächsten Morgen Kaffee trinken und ca.4 versch. Burger in den Bauch stopfen. Lange nicht mehr so ein gutes Katerfrühstück gehabt. Der Fernbus zurück in die bessere sächsische Stadt war dann auch ganz gut, es gab 4er-Sitze.

Da ich konsequenterweise nicht auf die Headline eingegangen bin: Das ist weil ich überall auf toylette musste, die Wege in Dresden scheinen echt lang zu sein…

vllt auch ein bisschen was getrunken...
vllt auch ein bisschen was getrunken…

Zum Reinkommen in die Woche gibt’s 1 Motivationstweet:

Und natürlich noch der Musiktipp. Wer das noch nicht gehört hat ist hinterher, wer das Video noch nicht gesehen hat, ist weit hinterher:

Migos – T-Shirt

Autor: ¡MasterJoda!

Irgendwas mit Medien, farbiges Vinyl, verschwitzte Konzerte, tote Plätze, Tupperdosen in der Natur, Bassgitarre & Werder Bremen

Ein Gedanke zu „Wann sind wir da? Ich muss pullern!“

  1. Scheint kein Einzelphänomen zu sein. Ging mir alles ganz ähnlich bei meinem weit zurückliegenden Dresden–Besuch mit Mr. Poppo, Antek u. a.
    Song-Tipp find ich prima. Video auch gut – für meinen Geschmack nur etwas zu sexistisch, isn’t it?

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