Young & Rich in Scotland

Urlaub ist Luxus, erst recht für Studenten, denn die haben meistens kein Geld. So geht es in der Regel auch Mr.Pain und mir, daher setzten wir für einen Besuch bei Schobi auf die einzig sinnvolle Option: Direkt am Monatsanfang nach Schottland fliegen und alles ausgeben.

Weil unser Budget trotzdem einigermaßen beschränkt war, ließen wir uns eine ziemlich kreative und unverschämt billige Reiseroute einfallen. Die sah folgendermaßen aus: Mit der Tram zum Hauptbahnhof fahren, im morgendlichen Fernbus nach Berlin Südkreuz wach werden, von dort zum Flughafen Schönefeld kommen, dann einen Flieger nach Glasgow erwischen, in Glasgow in den Megabus steigen und drei entspannte Stunden nach Aberdeen tuckern. Dasselbe haben wir dann in verkehrter Reihenfolge auch auf dem Rückweg gemacht, Kosten für alles: ca. 100 €. Der Preis hat uns soweit zufriedengestellt, dass wird die aufgewendete Lebenszeit für die Reise fast ignorieren konnten.

Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen den Blogeintrag über irgendwas Dummes, was uns auf dem Weg zwangsläufig passieren würde, zu schreiben. Die Idealsituation wäre der verpasste Flug gewesen, dann hätte ich den Text gleich vor Ort schreiben können, direkt unter dem Einfluss der Flughafen-Wartehallenatmosphäre. Das wäre bestimmt geil geworden. Witzigerweise ist uns aber nichts dramatischeres passiert, als dass Pain seine Kamera für einige Minuten in einer dieser Wartehallen liegengelassen hat. Und nicht einmal das war wirklich dramatisch, denn er hat sie sich einfach wieder zurückgeholt, ganz ohne Gegenwehr. Dieses Warten lähmt die Leute am Flughafen wirklich.

Irgendwann waren wir dann abends in Aberdeen und wurden von Schobi erstmal in die örtliche Kneipenstruktur eingeführt. Man muss dazu sagen, dass die Bierpreise kaum mit deutschen Kneipen zu vergleichen sind, insbesondere weil die Preise logischerweise in Pfund angegeben sind. Damit hatten wir also die Grenze der Sparsamkeit übertreten und sollten sie auch in den nächsten vier Tagen nicht mehr wiedersehen. Nach den Kneipenbesuchen machten wir uns auf den Weg zu Schobis Behausung.

Auf den Weg machen bedeutet in Aberdeen eigentlich immer, dass man auch wirklich zu Fuß gehen muss. Selbst die eingeschriebenen Studenten kriegen da kein Busticket umsonst, eine Tram gibt’s nicht. Und wenn die Studenten dann noch über 400 Pfund für ein kleines Zimmer in einer 6er-WG hinlegen, weiß man, wie der Titel des Beitrags zustande kam.

Angeblich gibt es in Schottland Natur, hier sind Beweise:

bisschen natur, bissschen platte (©Mr.Pain)
schobi und ich bei einem romantischen spaziergang (©Mr.Pain)
nordsee I (©Mr.Pain)
nordsee II
danben lag noch ein golfplatz – truestory –

Den Gewaltmarsch durch ganz Aberdeen, auf dem die Fotos entstanden sind, konnten wir nur aufgrund eines todesmutigen Frühstücks bewältigen. Typisch schottisch, mit viel Fleisch, danach noch ein Bier zur Stärkung. Inmitten der Fleischansammlung fand sich auch das weltweit bekannte Haggis und alle vier Anwesenden haben es gegessen. Zur Erinnerung hier nochmal alle Zutaten: Magen eines Schafes, darin Herz, Leber, Lunge, Nierenfett vom Schaf, Zwiebeln, Hafermehl und ordentlich Pfeffer. Entgegen meiner Erwartungen war das Zeug wirklich essbar und ist vielleicht als die schlecht kopierte, schottische Variante des Fettkopfes zu betrachten, der wesentlich mehr hergibt. Naürlich haben wir uns auch der Bildung nicht verschlossen und uns Uni und Bibliothek angeguckt. Das sah dann teilweise so aus:

(©Mr.Pain)

Man sollte allerdings nicht verschweigen, dass Schottland auch ziemlich unschöne Seiten hat. Das wohl traurigste Beispiel sind die dortigen Wasserhähne, die immer in Paaren auftreten. Wirklich unbrauchbar, es sei denn man möchte eine Hand warm und die andere eiskalt waschen….

why?
für komfort war immer gesorgt. pain macht auf penner

Irgendwann haben wir dann auch mal die Zeit gefunden das Nachtleben von Aberdeen zu erkunden. Man muss dazu sagen, dass es ziemlich viele Erasmus-Studenten gibt und die auch ziemlich viel feiern, das wollten wir natürlich ausnutzen. Da wussten wir noch nicht, dass unsere Feierei ähnlich viele Stationen wie unsere Anreise haben sollte. Im Studentenpub um die Ecke gings los, dann wurde in der Wohnung mit abartigen Massen Gin Tonic vorgeglüht. Als nächstes folgte die vollste Hausparty, die ich ever gesehen habe, allerdings war es dort nicht so geil. Deswegen wurde mal eben ein Taxi bestellt und es ging weiter Richtung Innenstadt. Dort gabs noch ne Kneipe, dann einen Pizzaladen. Irgendwann hatten wir fertig vorgetrunken und konnten uns in den Club begeben. Der Besuch war gar nicht so schlecht wie erwartet, aber der Alkohol hatte wahrscheinlich einen großen Anteil daran.

hab sowas noch nie in deutschland gesehen

Auf der Insel gibt es ziemlich strenge Alkoholregeln, den Kauf betreffend. Alles was nach unter 25 Jahren aussieht muss dort kontrolliert werden. Da ich allerdings selbst beim Bier kaufen im Reudnitzer K-Land immer noch als Kontrollobjekt gelte und damit einen Look so um die 15 Jahre habe, kam ich ganz gut damit klar. Nur als ich an der Tanke eine Flasche Whiskey mitgenommen habe, hat mich die Kassiererin lächelnd durchgewunken, man sollte also eher auf harten Alkohol setzen.

Am letzten Tag wollten wir dann nochmal richtig Cash raushauen. Also haben wir uns in ein mexikanisches Lokal gesetzt und ordentlich geordert. Allerdings haben die dann in der Küche wohl ein bisschen was durcheinandergewürfelt was einiges an Zeitverzögerung mit sich brachte. Daraufhin traf uns die britische Höflichkeit mit voller Härte. Wir bekamen das Essen einfach für lau und das nur, weil wir noch zum Bus wollten und losmussten.

Nach dieser Busfahrt haben wir noch ne hipsterige Craft Beer-Brauerei besucht, um uns ein paar Skills abzuschauen und endlich mal Sternburg vom Leipziger Markt zu verdrängen.

gin und vodka machen die da auch

In einem Buch, das ich neulich gelesen habe, beeindruckte mich der Autor mit der Beschreibung, dass die alten Männer in seiner Umgebung Bier wohl materialisierten, da er sich einfach nicht erklären konnte woher es immer wieder kam. Diese Beobachtung passt rückblickend ganz gut. Die längsten Passagen ohne Alkohol waren wohl die Wegstrecken zu Fuß, denn öffentlicher Alkohol ist dort nicht erlaubt und ich hab da auch eher schlechte Erfahrungen.

Der einzige Nachteil des Urlaub ist wohl die Ernährung von Nudeln und Reis, die leider im restlichen März nicht zu umgehen war, aber für ein paar exzessive Tage im Ausland kann man das schon mal machen.

Musiktipp: Fid Mella – Ich geh so rum

Autor: ¡MasterJoda!

Irgendwas mit Medien, farbiges Vinyl, verschwitzte Konzerte, tote Plätze, Tupperdosen in der Natur, Bassgitarre & Werder Bremen

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